Die Kunst der Freundschaft

Gedanken von C.S. Lewis

In einer Welt voller TikTok-Doom-Scrolls, endloser Serien-Binges und Swipes nach links und rechts scheint wahre Freundschaft fast zu einer aussterbenden Kunst geworden zu sein. Man stelle sich vor: Hätten C.S. Lewis, J.R.R. Tolkien und G.K. Chesterton dieselbe Art von tiefgehender Freundschaft entwickelt, wenn sie sich nicht in ihrer Stammkneipe getroffen, sondern stattdessen nur in einem Gruppenchat geschrieben hätten?

C.S. Lewis, der Autor der Chroniken von Narnia, setzte sich intensiv mit dem Wesen der Freundschaft auseinander. In seinem Buch Die vier Arten der Liebe beschreibt er, was eine echte Freundschaft ausmacht. Hier sind drei seiner wertvollsten Einsichten:

1.Freunde gehen Seite an Seite

Freundschaft entsteht nicht einfach dadurch, dass man Freunde haben will. – Vielmehr entsteht sie aus einer geteilten Begeisterung oder einem gemeinsamen Ziel. Lewis bringt es auf den Punkt: „Deshalb können die traurigen Menschen, die einfach ‚Freunde wollen‘, nie welche finden… Die Bedingung für Freundschaft ist, dass wir etwas anderes wollen als einfach nur Freunde.“

Echte Freundschaft entsteht, wenn zwei Menschen feststellen, dass sie etwas verbindet, das andere nicht unbedingt teilen. Oft beginnt Freundschaft mit dem Aha-Moment: „Was? Du auch? Ich dachte, ich wäre der Einzige!“ Diese Entdeckung einer gemeinsamen Leidenschaft oder Weltanschauung führt zu einer Verbindung, die sich vertiefen kann.

 

2. Wahre Freundschaft ist kein exklusiver Club

Man könnte meinen, dass Freundschaft umso intensiver wird, je exklusiver sie ist. Doch das Gegenteil ist der Fall. Lewis schreibt: „In jedem meiner Freunde gibt es etwas, das nur ein anderer Freund vollständig zum Vorschein bringen kann.“ Jeder Freund bringt etwas Einzigartiges in die Gruppe ein und lässt die anderen Seiten aneinander entdecken, die ohne ihn verborgen blieben.

Er beschreibt es an einem persönlichen Verlust: „Jetzt, da Charles tot ist, werde ich Ronalds [Tolkiens] Reaktion auf einen typischen Charles-Witz niemals wieder erleben. Statt mehr von Ronald zu haben, ihn ‚für mich allein‘ zu besitzen, habe ich jetzt, wo Charles nicht mehr da ist, weniger von Ronald.“ 

 

3. Freundschaft allein reicht nicht aus

In der Antike galt Freundschaft als eine der edelsten und glücklichsten Formen der Liebe. Doch Lewis betont, dass Freundschaft, so wertvoll sie auch ist, nicht genügt, um das Herz vollkommen zu erfüllen.

Lewis erklärt: „Freundschaft ist, wie die anderen natürlichen Lieben, unfähig, sich selbst zu retten… sie muss (…) den göttlichen Schutz anrufen, wenn sie hoffen will, süß zu bleiben.“ Letztlich kann selbst die tiefste Freundschaft uns nicht vollständig erfüllen. Doch sie hat einen höheren Zweck: Sie kann uns auf den wahren Freund hinweisen – den, der immer bleibt.

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