Wenn Jesus tatsächlich gelebt hat, dann muss man ihn doch irgendwie historisch „belegen“ können, oder? Ich finde diese Frage ziemlich spannend, und habe mich daher auf die Suche gemacht, inwieweit wir den Erzählungen der Evangelien vertrauen können.

Text Johannes Lackner

Gibt es den 100%-igen Beweis, mit dem das Leben, der Tod und die Auferstehung Jesu eindeutig bewiesen werden kann? Leider nein, wie das bei Ereignissen üblich ist, die lange in die Vergangenheit zurückreichen. Aber sehr wohl gibt es viele historische Fakten und Indizien, die auf eine Echtheit der Bibel hinweisen. Bis heute ist die Bibel das Objekt zahlreicher Forschungen. Auf einige vielleicht mal eher unbekannte Erkenntnisse möchte ich hier eingehen.

Häufigkeit der Namen

Tatsächlich deuten schon die Namen der Figuren im Neuen Testament darauf hin, dass es sich wohl um Texte aus dem 1. Jahrhundert nach Christus handelt. Wenn man diese mit den Namen aus antiken Schriften und Grabstätten aus dieser Zeit vergleicht, zeigt sich eine große Übereinstimmung. Aus den archäologischen Funden konnte man die häufigsten Männernamen in Israel zu der Zeit feststellen: Simon und Joseph. Im Neuen Testament gibt es 8 Simons und 6 Josefs. Auch der Name Jesus war relativ häufig, er lag an sechster Stelle. Das erklärt auch, warum oft von „Jesus von Nazareth“ die Rede ist. Hätte man die Evangelien nachträglich erfunden, wäre es sehr wahrscheinlich gewesen, dass man auf so banale Dinge vergessen hätte. Der Vergleich mit den Top2 bzw. Top9 Namen ist verblüffend.

Apokryphen

Interessant ist auch der Vergleich mit den Apokryphen, das sind Erzählungen über Jesus, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden, weil sie nicht als authentisch gelten, etwa, weil sie erst später geschrieben wurden. Bei diesen Texten ist die zum Beispiel häufiger von „Christus“ als von „Jesus“ die Rede, denn ab ca. 50 n. Chr. war das die gängigere Bezeichnung. Auch genaue Ortsbeschreibungen finden sich in den Apokryphen deutlich seltener als in den Evangelien. In den vier Evangelien in der Bibel werden sogar auch kleine, unbedeutende Ortschaften benannt – insgesamt 23. In den apokryphen Schriften hingegen findet man etwa nur Jerusalem und Nazareth. Das alles sind Indizien dafür, dass die biblischen Texte von echten Zeitzeugen der Geschehnisse verfasst wurden. 

Gleichnisse

Ein weiteres spannendes Zeichen der Authentizität der Bibeltexte findet man in den Gleichnissen, die Jesus erzählt hat. Das Sprechen in Gleichnissen war ein typisches Merkmal genau aus der Zeit, in der Jesus lebte. Spätere antike Schriften beinhalten deutlich weniger dieser Form der Sprache in Bildern. Interessant ist auch die Alltagsnähe der Gleichnisse, Jesus erzählt zum Beispiel Folgendes:

„Ein Mann legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an den Winzer und reiste in ein anderes Land…“ (Mk. 12,1).

Wir wissen, dass Jesus nach dem Tod des Herodes wieder aus Ägypten nach Nazareth zurückgekehrt war und dann dort aufwuchs. Ausgrabungen in Nazareth haben gezeigt, dass der Weinbau dort genau auf die von Jesus beschriebene Art funktionierte. Er griff hier also auf Bilder zurück, die er selbst in seiner Jugend gesehen hatte. Auch der Beruf des Zimmermanns, den Jesus erlernt hatte und der zur damaligen Zeit den gesamten Bauprozess von Häusern oder auch Werkzeugen beinhaltete, spielt eine Rolle in vielen Gleichnissen. Ob beim Einsturz des Turmes von Schiloach (Lk. 13,4), dem „Stein, den die Bauleute verwarfen“ (Mk. 12,10) oder beim Mann, der sein Haus auf Sand baut (Mt. 7,24-27), man merkt, dass Jesus eine Ahnung vom Bau gehabt haben muss, was er als Zimmermann auch sicherlich hatte.

Kreuzigung

Warum wurde Jesus eigentlich gekreuzigt? Ich glaube, wir hinterfragen das meistens gar nicht, weil wir die Darstellung von Jesus am Kreuz einfach gewohnt sind. Doch die Kreuzigung war damals natürlich nicht die einzige Hinrichtungsmöglichkeit, die die Römer kannten. Sie durfte nur bei Nicht-Römern angewendet werden, da sie für Bürger des Römischen Reiches als zu erniedrigend galt. Vor allem Aufständische und Menschen, die den Kaiser nicht als alleinigen König ansahen, wurden gekreuzigt. Die ganz besondere Brutalität, mit der Jesus ermordet wurde, zeigt sich an vielen kleinen Details. Da ist zum Beispiel der Schwamm mit Essig, der Jesus gereicht wurde. Dieser war dazu da, den Durst ein wenig zu lindern, damit der Gekreuzigte das Bewusstsein möglichst spät verlor und die Schmerzen möglichst lang bewusst erlebte. Beim Annageln der Hände und Beine wurde darauf geachtet, dass der Blutverlust nicht zu groß war, aus demselben Grund des bewussten Erlebens der Schmerzen.
Dann wäre da noch das Erdbeben, das in den Evangelien beschrieben wird, als Jesus stirbt. Mittels Gesteinsproben konnte auf ein Erdbeben zwischen den Jahren 26 und 36 n. Chr. in Israel geschlossen werden. Das passt genau in diesen Zeitraum, wo Jesus gestorben ist.

Auferstehung

Die Auferstehung ist archäologisch natürlich nicht so einfach nachzuweisen, weil man als Archäologe nur etwas (oder jemanden) nachweisen kann, das da ist, und nicht etwas (oder jemanden), das nicht mehr da ist. Vereinfacht gesagt: Man wird keine Knochen von Jesus finden können, wenn er auferstanden ist. Ein paar Gedanken aber dazu: Erstens gilt es als historisch unbestritten, dass die Jünger in Jerusalem – wo Jesus gekreuzigt worden war – begonnen haben, die Botschaft vom leeren Grab zu verkünden. Wenn sie die Auferstehung erfunden hätten, wäre das nicht sinnvoll gewesen, weil man das dann einfach widerlegen hätte können, indem man zum Grab Jesu gegangen wäre, seinen Leichnam gezeigt und damit die Jünger problemlos der Lüge überführt hätte. Außerdem wurde das Grab Jesu seit jeher verehrt. Heute steht die große Grabeskirche darüber. Gerade Untersuchungen in den letzten zehn Jahren, als dort Restaurierungen stattfanden, brachten interessante Erkenntnisse. Der Schrein, von dem man annahm, dass er als Teil der ersten Grabeskirche Anfang des vierten Jahrhunderts unter dem ersten christlichen römischen Kaiser Konstantin aufgebaut worden war, stammt auch tatsächlich aus dieser Zeit. Unter dem Schrein stieß man auf ältere Teile eines Felsengrabs, das möglicherweise das echte Grab Jesu sein könnte.